Als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Suche nach einem Migränemittel per Zufall die psychotrope Potenz der von ihm synthetisierten Alkaloide des Mutterkorns entdeckte, konnte er nicht wissen, dass er...
Als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Suche nach einem Migränemittel per Zufall die psychotrope Potenz der von ihm synthetisierten Alkaloide des Mutterkorns entdeckte, konnte er nicht wissen, dass er damit eine Droge kreiert hatte, die wie keine andere dämonisiert und zugleich mystifiziert werden sollte. Anfangs war LSD, von der Öffentlichkeit unbeachtet, nur elitären Zirkeln der Mittelklasse und der Boheme zugänglich. Als es jedoch von dort in die rebellische Jugendkultur der 60er Jahre eindrang, geriet es in den Fokus des öffentlichen Interesses. Eine breite Front des Widerstandes formierte sich - zunächst in den USA, dann auch in Europa. Die Droge sei eine Gefahr, größer und schlimmer als der Vietnam-Krieg, tönte es aus der Politik. Sie sei das spirituelle Gegengewicht zur Atombombe, tönte es zurück aus der psychedelischen Bewegung. Der 100. Geburtstag von Albert Hofmann im letzten Jahr hat die Droge, die heute am illegalen Markt kaum noch gehandelt wird, wieder in Erinnerung gerufen. Über ihre kulturelle, psycho-politische, medizinisch-therapeutische und hedonistische Bedeutung wurde auf einem Symposium zu seinen Ehren in Basel strittig diskutiert. Auch darüber, ob LSD für die wissenschaftliche Forschung nicht wieder zugelassen werden sollte.
Wer weiß, welchen finanziellen Aufwandes es bedarf, ein neues Label weltweit als Markennamen zu etablieren, kann sich nur darüber wundern, wie gering der Aufwand war, die Drei-Buchstaben-Kombination LSD gleichrangig mit SOS und CIA im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Die Droge verdankt ihren Ruf ausschließlich der Mundpropaganda ihrer Gegner und den Lobpreisungen ihrer Apologeten.
LSD (Lysergsäurediäthylamid) war immer mehr als nur eine Droge unter vielen. LSD ist die potenteste Droge, die jemals synthetisiert wurde. Das macht ihren Sonderstatus aus und auch die Tatsache, dass sie, anders als andere Drogen, einen dreifachen Gebrauchswert hat: LSD ist ein Medikament, LSD ist eine Rauschdroge, LSD ist ein psychotoxischer Kampfstoff.
In den Medienberichten anlässlich des 100. Geburtstages von Albert Hofmann, des LSD-Entdeckers, war deutlich das Bedürfnis zu spüren, noch einmal aus gegebenem Anlass in die Hippie-Seligkeit der psychedelischen Jahre einzutauchen, in denen die Droge zum Sakrament erhoben worden war. Die magische Buchstabenkombination LSD färbt die Erinnerungen an die 60er Jahre bunt ein.
Verblasst ist dagegen die Erinnerung an die Jahre des Kalten Krieges, in denen die Droge an Menschen auf ihre Tauglichkeit als Wahrheitsserum bei Verhören getestet wurde. Die von der US-Army und der CIA durchgeführten Versuche sind nach der heutigen UN-Definition als Folter zu werten. Das alles ist bekannt. Es wurde im Laufe der Jahre in den Medien offen gelegt. Doch im öffentlichen Bewusstsein wirkt dieses Wissen nicht nach, wohl auch deshalb, weil man als gegeben akzeptiert, dass auch heute noch ähnliche Experimente an Menschen durchgeführt werden. Ob das so ist, wird sich zeigen, wenn erst einmal die Verhörprotokolle von Guantanomo allgemein zugänglich sein werden.
Völlig in Vergessenheit geraten ist, dass LSD ursprünglich als Medikament konzipiert war und nach der Entdeckung seiner psychotropen Wirkung als Hilfsmittel in der Psychotherapie eingesetzt wurde. Manche der bis zum Verbot 1966 veröffentlichten Forschungsergebnisse waren viel versprechend. Bei der Bearbeitung von Traumata, aber auch bei der Therapie von Alkoholabhängigen erwies sich LSD als hilfreich und darüber hinaus als kostengünstig. Doch die unverzichtbaren Folgestudien zur Überprüfung der positiven Behandlungsergebnisse blieben aus. Mit dem Verbot mussten alle Forschungsprojekte schlagartig eingestellt und alle Therapien abgebrochen werden. Das Verbot war total.
Nun, so scheint es, erlebt LSD, dessen Bedeutung als Rauschdroge kontinuierlich gesunken ist, eine Renaissance - als Medikament. Konfrontiert mit den materiellen und psychosozialen Folgen der Kriege in Afghanistan und dem Irak, ist die US-Militärführung brennend an einer Behandlungsmethode interessiert, die es möglich macht, Tausende von körperlich verkrüppelten und seelisch traumatisierten Veteranen kostengünstig zu versorgen. Der Handlungsdruck ist groß. Er fördert die Bereitschaft, das Forschungsverbot zu lockern und Projekte zu genehmigen, die an die LSD-Forschung vor dem Verbot anknüpfen. Geprüft werden soll, ob LSD tatsächlich geeignet ist zur Behandlung von Traumata und schweren Schmerzzuständen. Entsprechende Projekte sind den USA, in Israel und in den Niederlanden in Planung. Einige laufen bereits.
von Günter Amendt
Geschrieben von ACIDKNOLL Gallery am Sa 05 Apr 2008 15:27:14 UTC
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DUKUMENTATION Legende einer Wunderdroge
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Als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Suche nach einem Migränemittel per Zufall die psychotrope Potenz der von ihm synthetisierten Alkaloide des Mutterkorns entdeckte, konnte er nicht wissen, dass er damit eine Droge kreiert hatte, die wie keine andere dämonisiert und zugleich mystifiziert werden sollte. Anfangs war LSD, von der Öffentlichkeit unbeachtet, nur elitären Zirkeln der Mittelklasse und der Boheme zugänglich. Als es jedoch von dort in die rebellische Jugendkultur der 60er Jahre eindrang, geriet es in den Fokus des öffentlichen Interesses. Eine breite Front des Widerstandes formierte sich - zunächst in den USA, dann auch in Europa. Die Droge sei eine Gefahr, größer und schlimmer als der Vietnam-Krieg, tönte es aus der Politik. Sie sei das spirituelle Gegengewicht zur Atombombe, tönte es zurück aus der psychedelischen Bewegung. Der 100. Geburtstag von Albert Hofmann im letzten Jahr hat die Droge, die heute am illegalen Markt kaum noch gehandelt wird, wieder in Erinnerung gerufen. Über ihre kulturelle, psycho-politische, medizinisch-therapeutische und hedonistische Bedeutung wurde auf einem Symposium zu seinen Ehren in Basel strittig diskutiert. Auch darüber, ob LSD für die wissenschaftliche Forschung nicht wieder zugelassen werden sollte.
Wer weiß, welchen finanziellen Aufwandes es bedarf, ein neues Label weltweit als Markennamen zu etablieren, kann sich nur darüber wundern, wie gering der Aufwand war, die Drei-Buchstaben-Kombination LSD gleichrangig mit SOS und CIA im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Die Droge verdankt ihren Ruf ausschließlich der Mundpropaganda ihrer Gegner und den Lobpreisungen ihrer Apologeten.
LSD (Lysergsäurediäthylamid) war immer mehr als nur eine Droge unter vielen. LSD ist die potenteste Droge, die jemals synthetisiert wurde. Das macht ihren Sonderstatus aus und auch die Tatsache, dass sie, anders als andere Drogen, einen dreifachen Gebrauchswert hat: LSD ist ein Medikament, LSD ist eine Rauschdroge, LSD ist ein psychotoxischer Kampfstoff.
In den Medienberichten anlässlich des 100. Geburtstages von Albert Hofmann, des LSD-Entdeckers, war deutlich das Bedürfnis zu spüren, noch einmal aus gegebenem Anlass in die Hippie-Seligkeit der psychedelischen Jahre einzutauchen, in denen die Droge zum Sakrament erhoben worden war. Die magische Buchstabenkombination LSD färbt die Erinnerungen an die 60er Jahre bunt ein.
Verblasst ist dagegen die Erinnerung an die Jahre des Kalten Krieges, in denen die Droge an Menschen auf ihre Tauglichkeit als Wahrheitsserum bei Verhören getestet wurde. Die von der US-Army und der CIA durchgeführten Versuche sind nach der heutigen UN-Definition als Folter zu werten. Das alles ist bekannt. Es wurde im Laufe der Jahre in den Medien offen gelegt. Doch im öffentlichen Bewusstsein wirkt dieses Wissen nicht nach, wohl auch deshalb, weil man als gegeben akzeptiert, dass auch heute noch ähnliche Experimente an Menschen durchgeführt werden. Ob das so ist, wird sich zeigen, wenn erst einmal die Verhörprotokolle von Guantanomo allgemein zugänglich sein werden.
Völlig in Vergessenheit geraten ist, dass LSD ursprünglich als Medikament konzipiert war und nach der Entdeckung seiner psychotropen Wirkung als Hilfsmittel in der Psychotherapie eingesetzt wurde. Manche der bis zum Verbot 1966 veröffentlichten Forschungsergebnisse waren viel versprechend. Bei der Bearbeitung von Traumata, aber auch bei der Therapie von Alkoholabhängigen erwies sich LSD als hilfreich und darüber hinaus als kostengünstig. Doch die unverzichtbaren Folgestudien zur Überprüfung der positiven Behandlungsergebnisse blieben aus. Mit dem Verbot mussten alle Forschungsprojekte schlagartig eingestellt und alle Therapien abgebrochen werden. Das Verbot war total.
Nun, so scheint es, erlebt LSD, dessen Bedeutung als Rauschdroge kontinuierlich gesunken ist, eine Renaissance - als Medikament. Konfrontiert mit den materiellen und psychosozialen Folgen der Kriege in Afghanistan und dem Irak, ist die US-Militärführung brennend an einer Behandlungsmethode interessiert, die es möglich macht, Tausende von körperlich verkrüppelten und seelisch traumatisierten Veteranen kostengünstig zu versorgen. Der Handlungsdruck ist groß. Er fördert die Bereitschaft, das Forschungsverbot zu lockern und Projekte zu genehmigen, die an die LSD-Forschung vor dem Verbot anknüpfen. Geprüft werden soll, ob LSD tatsächlich geeignet ist zur Behandlung von Traumata und schweren Schmerzzuständen. Entsprechende Projekte sind den USA, in Israel und in den Niederlanden in Planung. Einige laufen bereits.
von Günter Amendt
Geschrieben von ACIDKNOLL Gallery am Sa 05 Apr 2008 15:27:14 UTC