Die Polizei
Erstellt von acidknoll am Sonntag 7. Januar 2007
Eigentlich möchte man keinen Polizisten testen. Aber als normaler, auch mal gegen Gesetze verstoßender Mensch muss man es ab und zu. Zum Beispiel, wenn man mit 1,1 Promille über eine rote Ampel fährt und plötzlich ein Blaulicht im Rückspiegel sieht. Die Polizei ist in diesem Fall ein Pärchen: ein großer, beflissener Bürokrat und eine kleine Drahtige mit Pferdeschwanz. Beide machen nicht den Eindruck, als wäre ihnen das Ertappen eines alkoholisierten Autofahrers ein innerer Reichsparteitag, wie das manchmal auf dem Land der Fall ist, wo es für die Beamten nichts zu tun gibt, außer frisierte Mofas aufzuspüren. Das hat schon mal eine gewisse Größe.
Leibesvisititation (das Dope in der Jackentasche wird nicht entdeckt), pusten, Fahrt ins Revier, Blutabnahme in einem alten Stasikeller – das alles wird professionell, fast partnerschaftlich erledigt. Man darf Mensch bleiben, nur das Ende ist fies: Um vier Uhr morgens wird man in Hohenschönhausen auf die Straße geworfen, ein Taxiruf ist angeblich nicht möglich.
Der zweite Test findet anlässlich einer Party statt, die dem Nachbarn zwei Stockwerke darunter zu laut ist. Um halb elf steht ein Trupp Polizisten vor der Tür, bei dem alle Typen vertreten sind: der große Gemütliche mir Wampe und Schnurrbart, der kleine Pitbull aus dem Fitnessstudio und die verkappte Lesbe, die gern Uniform trägt. Leider hat der Dümmste, also der Pitbull, das Sagen. “Musik leiser”, grunzt er, während der Denunziator feixend im Hintergrund steht. Obwohl die Musik dann leiser und die Party eh keine Orgie ist, kommt die Polizei eine Stunde später wieder, diesmal zu sechst – und wieder lässt der kleine Prolet die Situation eskalieren. Die Lesbe erstattet noch Anzeige wegen Beleidigung, weil der Nachbar nicht ganz zu Unrecht als “Kinderficker” tituliert wird (wird später eingestellt). Am Schluss wird noch der Verstärker konfisziert und drei Wochen später kommt der Zahlungsbefehl: 50 Euro für den ganzen Einsatz.
Gesamturteil: Die Berliner Polizei ist billig und hat vernünftige Leute in ihren Reihen. Leider haben aber immer noch die Großschnauzen das Sagen.
Der Autor Oliver Gehrs ist Herausgeber des Gesellschaftsmagazins “dummy”
www.dummy-magazin.de